Notarztträgerverein Büren e.V.

KATWARN

KATWARN

DAS KATWARN-PROJEKT

Hitec statt Krach vom Dach?

Mit dem Ende des kalten Krieges hielt man auch sie fA?r A?berflA?ssig – Sirenen. Kein ai??zFeind” – keine Bedrohung mehr durch ABC-Waffen. Wozu dann noch ein Warnsystem erhalten? Und Katastrophen gibts doch nur woanders, nicht bei uns – oder? Ab 1990 trennte sich der Bund von seinem Warnnetz von ca. 100.000 Sirenen und die BundeslAi??nder bzw. Kommunen A?bernahmen deren Unterhalt und Betrieb zum Zweck der Feuerwehr-Alarmierung. Entsprechend den begrenzten Etats der klammen Gemeinden wurde so in den letzten Jahren das sirenengestA?tzte Warnsystem kontinuierlich ausgedA?nnt.

Robuste Alarmierungstechnik Foto: Nietner

Die Kehrseite der Medaille ist: mit dem Wegfall der WarnmAi??glichkeit bei nicht mehr vorhandener militAi??rischen Gefahrenlage (Angriff auf einen Staat) entfAi??llt in zunehmendem MaAYe auch ein geeignetes Medium fA?r die gezielte Warnung bei zivilen GroAYschadenslagen wie Hochwasser, Reaktor-StAi??rfAi??llen, GroAYbrAi??nden usw.

Der Bund lieAY bis 2002 zwar das satellitengestA?tzte System SatWaS aufbauen, doch auch das ist nicht fehlerfrei. Im Notfall kAi??nnen etwa die Lagezentren der Innenministerien Warnungen an alle Rundfunk- und Fernsehsender schicken. Sendungen werden dann von Tickermeldungen auf dem Bildschirm oder von Durchsagen unterbrochen. Doch wer Radio und TV-GerAi??t ausgeschaltet hat, bekommt erst mal nichts mit.

VerAi??nderte LebensumstAi??nde (z.B. schalldicht-isolierte Bauweise von Fenstern und GebAi??uden) und -gewohnheiten (Stichwort stAi??ndige Erreichbarkeit des modernen Menschen via Mobilfunk, Handy, Email und SMS) fordern geradezu heraus, diese medialen Werkzeuge zur Warnung der BevAi??lkerung bei Gefahren einzusetzen.

KATWARN-Unwetterwarnung fA?r BA?ren vom 24.07.2013

KATWARN-Unwetterwarnung fA?r BA?ren vom 24.07.2013

In diesem Sinne ist das von Fraunhofer-Institut FOKUS im Rahmen der ESPRI-Forschung entwickelte KATWARN-Projekt ein neues supportives Warnsystem, das im UnglA?cksfall, z. B. bei GroAYbrAi??nden, StromausfAi??llen, Bombenfunden oder PandemieausbrA?chen, ergAi??nzend zu den allgemeinen Informationen durch Polizei, Feuerwehr und Medien Warnungen aussendet. Die Warnungen werden von den kommunalen Feuerwehr- und Rettungsleitstellen in Abstimmung mit den zustAi??ndigen KatastrophenschutzbehAi??rden verfasst und sind ortsgenau auf die gefAi??hrdeten Postleitzahlenbereiche abgestimmt. ZusAi??tzlich nutzt der Deutsche Wetterdienst die Smartphone-App von KATWARN fA?r bundesweite Unwetterwarnungen der hAi??chsten Stufe (ai??zextremes Unwetterai???), also bei Unwetterereignissen mit weitrAi??umigen und extremen Gefahren.

Die KATWARN-App (fA?r iPhone ab iOS 5, fA?r Android-Smartphones ab Version 2.3.3) verfA?gt A?ber folgende Funktionen:

  • aktive Benachrichtigung (Push-Meldungen) A?ber Gefahrenmeldungen von bis zu drei Orten, wobei neben dem aktuellen Standort (=”Schutzengel”) A?ber zwei selbstwAi??hlbare Orte informiert wird.
  • Postleitzahlgenaue Warnungen fA?r die gewAi??hlten Orte mit ausfA?hrlichen Warntexten.
  • Kontinuierliche, anonymisierte Aktualisierung der Ortsinformationen, so dass manuell keine weiteren Eingaben zum Standort getAi??tigt werden mA?ssen. Diese Ortungsfunktion kann abgeschaltet werden.
  • Sofortige Benachrichtigung bei Betreten eines aktuellen Gefahrenbereichs.
  • Feedback-Funktion, mittels derer RA?ckmeldungen an den App-Dienstleister gegeben werden kAi??nnen.

Die KATWARN-APP ist fA?r den Handynutzer kostenlos, erfordert jedoch eine einmalige Anmeldung. Die Angabe der Postleitzahl, fA?r die Warnungen per SMS gewA?nscht werden, ist erforderlich. Der Verband Ai??ffentlicher Versicherer stellt es den Rettungsleitstellen zur VerfA?gung. Die TrAi??ger dieser Institutionen mA?ssen einmalige Einrichtungskosten (fA?nfstellig?) und die Kosten zum Unterhalt (jAi??hrlich vierstellig?) des Systems tragen. Der Kreis PB ist bald dabei.

So sehr das neue System auch durch intelligente Features A?berzeugt, so sehr zeigt es aber auch die SchwAi??chen und AbhAi??ngigkeiten hochkomplexer Systeme. Von der naiven Vorstellung, ein Warnsystem kAi??nne jemals ALLE und JEDERZEIT erreichen, einmal ganz abgesehen, wenden Kritiker ein, dass:

  • Menschen, die kein Handy/Smartphone besitzen, oder es aktuell nicht bei sich tragen, von der Warnung nicht erreicht werden.
  • das Warnsystem – im Gegesatz zu einer Sirene – keinen aussendersenderseitigen Weckeffekt hat, d.h. die Warn-SMS oder -Mail geht im ai??zGebimmel” der allfAi??llig eingehenden Nachrichten unter. (“Sie haben noch 2 ungelesene Nachrichten von KATWARN”). Dieses Feature mA?AYte erst anwenderseitig eingerichtet werden, z.B. durch Zuordung eines wiedererkennbar signifikanten Alarm-Klingeltons mit dem die SMS-Aussendernummer erstmal noch zu verknA?pfen wAi??re (und wie lautet die?).
    Dies setzt beim potentiellen EmpfAi??nger nicht nur eine ai??zSensibilisierung” fA?r diese Problematik voraus, sondern auch gewisse technische FAi??higkeiten, die von der ai??znon-digital-native”-Generation eher nicht eingefordert werden kann.
  • Menschen, die sich nicht im Gefahrenbereich aufhalten, gewarnt werden (z.B. der Urlauber im fernen Mallorca bei Gefahrenlage in seiner Heimatstadt), nicht aber der reisende Monteur aus Irgendwo, der sich gerade dort aufhAi??lt, wo ihm Gefahr droht. (Funkzellen-orientierte Warnung versus PLZ-orientierte Warnung).
  • potenziell eine Welle des exzessiven InformationsbedA?rfnisses an die falsche Stelle (Notruf 112) ausgelAi??st werden kann.
  • KapazitAi??tsprobleme im Mobilfunk (NetzA?berlastung/-zusammenbruch) durch Notrufeingang und explosionsartige Mobilfunknutzung (z.B. Loveparade Duisburg) die zeitgerechte Ausstrahlung der Warnmeldung verhindern

 
Mit anderen Worten, KATWARN kann als supportives System in der Warnung durchaus sinnvoll eingesetzt werden, die vorhandenen Mittel der konventionellen Warnung kann es jedoch nicht ersetzen.

Als Werkzeug der Alarmierung von EinsatzkrAi??ften ist es untauglich (was die Entwickler A?brigens auch nie im Sinn hatten). Die Alarmierung der EinsatzkrAi??fte (A?ber Sirene) macht auch weiterhin Sinn, da auch mit modernster Funktechnik “FunklAi??cher” bestehen, wo der Alarmmelder der Feuerwehr nicht anschlAi??gt, und allein die Sirene die Helfer weckt, wenn Menschenleben in Gefahr ist.

Nachtrag (01.6.2013):
Mit dem Beitritt des Kreises Paderborn ist KATWARN ab sofort auch in unserer Region verfA?gbar.

Nachtrag (28.6.2013):
Am 20.06.2013 wurde fA?r BA?ren eine amtliche Unwetterwarnung des DWD via KATWARN per Push-Mitteilung herausgegeben, die fA?r mehrere Stunden GA?ltigkeit haben sollte. Der Versuch, innerhalb dieses Zeitraums A?ber die Smartphone-App den aktuellen Gefahrenstatus abzurufen, blieb ohne Ergebnis bzw. vermeldete eine vermeintlich unbedenkliche Situation. Dies fA?hrt zu schweren FehleinschAi??tzungen und ist definitiv ein bedeutsamer logischer Fehler. Solange KATWARN den aktuellen Warnstatus nicht augenblicksaktuell zum Abruf bereit hAi??lt, hat es keinen Anspruch, als modernes Warnsystem besser zu sein als die bereits vorhandenen Systeme.

Ein weiteres Problem besteht mit der Versandform Push-Meldung: Push-Meldungen erscheinen im Gegensatz zu normalen SMS-Kurznachrichten sofort auf dem Smartphone-Display, was in diesem Falle hAi??chst sinnvoll ist, verschwinden (bei einem, dem Handy i.d.R. unbekannten Absender) jedoch nach flA?chtiger Betrachtung der Nachricht unauffindbar im “Bauch” des Smartphones (z.B. beim iPhone mit gekA?rztem = unvollstAi??ndigen Text in der Mitteilungszentrale) und sind damit praktisch nicht mehr vorhanden bzw. nachvollziehbar. Galt die Warnung von heute frA?h jetzt bis morgen oder vielleicht doch bis A?bermorgen?

In Zeiten, wo es mAi??glich ist, sich jederzeit seinen Kontostand, die aktuellen BAi??rsennotierungen oder im Live-Ticker den Spielstand seines Bundesliga-Lieblingsvereins augenblicksgerecht abzurufen, wirkt KATWARN geradezu altbacken, und scheint weder technisch noch konzeptionell ausgereift zu sein und ist damit eben leider nicht auf der HAi??he der Zeit – schade eigentlich!